Unternehmen in den Free Zones der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) müssen die kommende verpflichtende B2B-E-Invoicing-Regelung einhalten. Neue Leitlinien des Finanzministeriums (Ministry of Finance, MoF) und der Federal Tax Authority (FTA) bestätigen, dass der Free-Zone-Status Unternehmen nicht von den nationalen E-Invoicing-Vorgaben ausnimmt.
Mit dieser Klarstellung wird eine Unsicherheit beseitigt, die seit der Ankündigung der verpflichtenden Einführung von E-Invoicing in den VAE bestand. Unternehmen mit Niederlassungen in Free Zones sollten diese Gesellschaften daher in ihre Einführungsplanung einbeziehen, anstatt davon auszugehen, dass sie außerhalb des Geltungsbereichs der neuen Vorschriften liegen.
Die aktuelle Klarstellung baut auf mehreren jüngsten Entwicklungen im nationalen E-Invoicing-Programm der VAE auf. Anfang dieses Monats veröffentlichte das Finanzministerium zusätzliche Leitlinien für das freiwillige Pilotprogramm, die Unternehmen weitere Einblicke in den künftigen Rahmen geben.
Woher stammt dieses Missverständnis?
Das Missverständnis ist nachvollziehbar. Viele der bekanntesten Free Zones der VAE, darunter DMCC, DIFC, ADGM und JAFZA, verfügen über eigene regulatorische und steuerliche Rahmenbedingungen.
Unternehmen in diesen Zonen profitieren häufig von Vorteilen wie Steuervergünstigungen, Zollvorteilen und vereinfachten Verwaltungsverfahren. Daher gingen einige Organisationen davon aus, dass diese Ausnahmen auch für die kommenden E-Invoicing-Anforderungen gelten würden.
Die aktuellen Leitlinien machen jedoch deutlich, dass dies nicht der Fall ist.
Das E-Invoicing-Programm der VAE ist keine steuerliche Vergünstigung, sondern eine nationale digitale Infrastruktur zur Standardisierung des elektronischen Rechnungsaustauschs und zur Verbesserung der Transaktionsmeldungen. Ob ein Unternehmen unter die Regelung fällt, hängt vom Geltungsbereich des Mandats ab und nicht vom Free-Zone-Status.
E-Invoicing ist ein nationales Programm
Die Klarstellung unterstreicht den Ansatz der VAE bei der digitalen Transformation ihres Steuersystems.
Statt unterschiedliche Anforderungen für einzelne Wirtschaftszonen einzuführen, schafft die Regierung einen einheitlichen nationalen Rahmen für den standardisierten elektronischen Rechnungsaustausch zwischen Unternehmen.
Wie wir bereits in unserem Beitrag über das Peppol-basierte Vier-Ecken-Modell der VAE erläutert haben, entwickelt das Land eine nationale Interoperabilitätsplattform, bei der Accredited Service Providers eine zentrale Rolle beim Austausch strukturierter elektronischer Rechnungen übernehmen. Die aktuelle Klarstellung bestätigt nun, dass auch Unternehmen in Free Zones unter diesen Rahmen fallen, sofern sie vom Mandat erfasst werden.
Darüber hinaus haben die VAE ein freiwilliges E-Invoicing-Pilotprogramm gestartet, damit Unternehmen und Service Provider ihre Implementierungen vor dem verpflichtenden Rollout testen können.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Für international tätige Unternehmen ist diese Klarstellung besonders wichtig. Viele multinationale Organisationen betreiben Gesellschaften in den Free Zones der VAE, beispielsweise als regionale Hauptsitze, Logistikstandorte oder Finanzgesellschaften.
Unternehmen, die ihre Vorbereitungen noch nicht begonnen haben, sollten die aktuelle Pilotphase nutzen, um ihre Rechnungsprozesse zu analysieren, ihre technische Bereitschaft zu bewerten und sich mit den operativen Anforderungen der Behörden vertraut zu machen.
Falls die Einführung verschoben wurde, weil Free-Zone-Gesellschaften als ausgenommen betrachtet wurden, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, diese Annahme zu überprüfen.
- Ermitteln Sie, welche Gesellschaften in den VAE künftig unter das Mandat fallen.
- Beziehen Sie Free-Zone-Gesellschaften in Ihre E-Invoicing-Readiness-Bewertung ein.
- Überprüfen Sie ERP-, Finanz- und Rechnungsprozesse in der gesamten Organisation.
- Arbeiten Sie frühzeitig mit Implementierungspartnern zusammen, bevor die verpflichtenden Phasen beginnen.
Eine frühzeitige Vorbereitung hilft, kurzfristige Anpassungen zu vermeiden, wenn die VAE weitere technische Spezifikationen und Implementierungsleitlinien veröffentlichen.
Ausblick
Die VAE schaffen Schritt für Schritt mehr Klarheit für die Einführung der verpflichtenden B2B-E-Invoicing-Regelung. Mit den veröffentlichten operativen Leitlinien, dem Start des freiwilligen Pilotprogramms und der jetzigen Bestätigung zur Einbeziehung der Free Zones wird der nationale Rahmen zunehmend konkreter.
Unternehmen mit Aktivitäten in den VAE sollten sicherstellen, dass alle vom Mandat betroffenen Gesellschaften, einschließlich der Unternehmen in Free Zones, rechtzeitig in ihre E-Invoicing-Roadmap aufgenommen werden.



