Frankreich signalisiert pragmatischeren Ansatz bei der Durchsetzung von E-Invoicing ab 2026
DGFiP signalisiert mehr Toleranz beim Onboarding trotz bestehendem Sanktionsrahmen
Frankreich verfolgt offenbar einen pragmatischeren operativen Ansatz für die Einführung der verpflichtenden B2B e-invoicing-Regelung im September 2026. Obwohl der formelle Sanktionsrahmen vollständig bestehen bleibt, deuten jüngste Aussagen hochrangiger Vertreter der französischen Steuerbehörde darauf hin, dass Sanktionen möglicherweise nicht sofort oder systematisch gegen Unternehmen angewendet werden, die nachweislich an ihrer Implementierung und ihrem Onboarding arbeiten.
Die Aussagen wurden Berichten zufolge während des französischen E-Invoicing Day im Mai 2026 gemacht. Vertreter der Direction générale des Finances publiques (DGFiP) erklärten dort, dass Unternehmen, die aktiv an Onboarding, Tests und Compliance-Vorbereitungen arbeiten, während der ersten Einführungsphase mehr operative Toleranz erhalten könnten.
Diese Differenzierung ist relevant, da Frankreich zuvor Vorschläge für eine formelle zweijährige Übergangsfrist im Rahmen des französischen Finance Bill 2026 abgelehnt hatte.
Wie bereits in unserem früheren Beitrag zum französischen Durchsetzungsrahmen für e-invoicing und e-reporting beschrieben, bestätigt die Gesetzgebung, dass Sanktionen ab Beginn des Mandats rechtlich durchsetzbar bleiben.
Formelle Sanktionen bleiben vollständig bestehen
Die pragmatischere operative Kommunikation ändert nichts am rechtlichen Rahmen selbst.
Frankreich plant weiterhin erhebliche Sanktionen bei Non-Compliance im zukünftigen Continuous Transaction Controls (CTC)-Modell:
- 50 € pro nicht konformer E-Rechnung
- 500 € pro fehlgeschlagener e-reporting-Übermittlung
- Jährliche Strafobergrenzen von bis zu 15.000 €
- Zusätzliche Sanktionen für Unternehmen außerhalb des zugelassenen Plattformökosystems
Der Vorschlag für eine gesetzliche Übergangsfrist zwischen September 2026 und August 2028 wurde letztlich zurückgezogen, bevor das Finance Bill im Februar 2026 endgültig verabschiedet wurde.
Rechtlich bleibt das Mandat daher unverändert. Unternehmen müssen weiterhin ab Beginn der Einführung compliant sein.
Wachsende Unterscheidung zwischen rechtlicher Durchsetzung und operativer Toleranz
Was sich verändert, ist der Ton rund um die praktische Durchsetzung.
Frankreich scheint sich nun in Richtung eines „Soft-Landing“-Ansatzes zu bewegen, der ein Gleichgewicht zwischen strikter gesetzlicher Durchsetzung und den operativen Realitäten großer Transformationsprogramme schaffen soll.
Dies ist besonders relevant angesichts der Komplexität des französischen Modells, das unter anderem umfasst:
- PDP-Onboarding und Akkreditierungsanforderungen
- ERP-Integrationsprojekte
- Validierung und Statusmanagement von Rechnungen
- Verpflichtende e-reporting-Anforderungen
- Governance zwischen Finance, Tax und IT
Für viele große Unternehmen laufen diese Programme bereits, sind jedoch noch nicht vollständig stabilisiert.
Die jüngsten Aussagen der DGFiP deuten darauf hin, dass Behörden künftig zwischen Unternehmen unterscheiden könnten, die nachweislich an der Umsetzung arbeiten, und Organisationen, die kaum Fortschritte in Richtung Compliance machen.
Warum das für Finance- und IT-Teams wichtig ist
Für Finance- und Transformationsverantwortliche verringert dies nicht die Dringlichkeit der Vorbereitung.
Vielmehr verschiebt sich der Fokus von „vollständiger Compliance ab Tag eins“ hin zu „kontrollierbarer und nachweisbarer Implementierungsreife“.
Diese Unterscheidung ist besonders wichtig in ERP-getriebenen Umgebungen, in denen Onboarding und Datenabgleich häufig schrittweise erfolgen.
Unternehmen werden voraussichtlich nachweisen müssen, dass sie über Folgendes verfügen:
- Aktive PDP-Onboarding-Prozesse
- Laufende ERP- und Integrationsprojekte
- Test- und Validierungsverfahren
- Exception-Handling-Prozesse
- Klare Governance- und Verantwortungsstrukturen
In der Praxis bedeutet dies, dass Unternehmen die pragmatischere Kommunikation nicht als Verschiebung oder Aussetzung des Mandats interpretieren sollten.
Frankreich scheint vielmehr anzuerkennen, dass operative Reife sich schrittweise entwickelt, insbesondere während der ersten Einführungsphase.
Die französische Einführung erreicht eine realistischere Phase
Die jüngsten Signale der DGFiP spiegeln eine breitere Entwicklung wider, die auch in anderen europäischen e-invoicing-Programmen sichtbar wird.
Regierungen erkennen zunehmend, dass groß angelegte digitale Steuertransformationen nicht allein auf gesetzlichen Fristen und Sanktionen basieren können. Auch Onboarding-Kapazitäten, Testmöglichkeiten und die Bereitschaft des Ökosystems bestimmen den praktischen Erfolg solcher Mandate.
Frankreich scheint seine Einführung 2026 nun genau an diesem Gleichgewicht auszurichten.
Der rechtliche Rahmen bleibt streng. Die Sanktionen bleiben bestehen. Doch die erste Phase der Durchsetzung könnte pragmatischer ausfallen für Unternehmen, die nachweislich Fortschritte in Richtung Compliance machen.
Changes companies need to implement
- PDP-Onboarding und ERP-Transformationsprogramme ohne Verzögerung fortsetzen
- Implementierungsfortschritte und Compliance-Vorbereitungen dokumentieren
- Governance-Strukturen zwischen Finance, Tax, IT und Shared Services etablieren
- Validierungs- und Exception-Handling-Kontrollen vor dem Go-live implementieren
- Audit Trails vorbereiten, die aktive Compliance-Bemühungen nachweisen
Frankreich definiert nicht mehr nur, wie der rechtliche Durchsetzungsrahmen aussieht. Das Land beginnt nun auch zu zeigen, wie die praktische Durchsetzung während der ersten Phase der Einführung 2026 aussehen könnte.



